Sepp Maier würdigt Paul Breitner zum 75. Geburtstag: Ein Dickkopf mit Herz

Eine lange Freundschaft und gemeinsame Erfolge
Sepp Maier, die Torwartlegende des FC Bayern München, hat anlässlich des 75. Geburtstags seines langjährigen Weggefährten Paul Breitner über deren besondere Beziehung gesprochen. Die beiden Fußballikonen kennen sich seit mehr als einem halben Jahrhundert und haben gemeinsam zahlreiche Erfolge gefeiert, darunter den Gewinn der Weltmeisterschaft und etliche Titel mit dem FC Bayern. Trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere und gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten hat ihre Freundschaft Bestand.
Maier beschreibt Breitner als einen „Dickkopf“, der stets genau wusste, was er wollte, und seine Vorstellungen konsequent umsetzte. Diese Eigenschaft sei bereits in jungen Jahren erkennbar gewesen. Maier selbst, ebenfalls bekannt dafür, Auseinandersetzungen nicht zu scheuen, erinnert sich an leidenschaftliche Streitigkeiten mit Breitner. Doch diese Konflikte waren stets von kurzer Dauer, und schon wenige Minuten später konnten sie wieder zusammen lachen und sich über andere Dinge unterhalten.
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Auf dem Spielfeld ergänzten sich die beiden trotz ihrer Gegensätze. Breitner war der konzentrierte und ehrgeizige Spieler, während Maier für seine Späße bekannt war. Maier betont, dass Breitner zwar ein anderer Typ war, aber seine Witze meistens mitmachte. Sie zogen sich gegenseitig auf, und gerade diese Unterschiedlichkeit habe ihre Zusammenarbeit so gut funktionieren lassen. Breitner sei immer von seiner Meinung überzeugt gewesen, was Maier als seine Stärke hervorhebt, da man bei ihm immer wusste, woran man ist.
Ehrgeiz und Führungsqualitäten
Maier zeigte sich besonders beeindruckt von Breitners unbedingtem Siegeswillen. Ob im Training oder im Spiel, Breitner wollte immer gewinnen, selbst bei kleinen Wetten. Dieser Ehrgeiz konnte im Alltag manchmal anstrengend sein, doch auf dem Platz war Maier froh, einen solchen Mitspieler an seiner Seite zu haben. Er wusste, dass Breitner ihn niemals hängen lassen würde und in schwierigen Situationen voranging. Breitner brauchte keine Kapitänsbinde, um als Anführer wahrgenommen zu werden.
Ein prägender Moment war das WM-Finale 1974 gegen die Niederlande. Beim Stand von 1:1, als Deutschland einen Elfmeter zugesprochen bekam, schnappte sich Breitner den Ball. Maier war sich sicher, dass Breitner den Elfmeter verwandeln würde, da dieser ein unglaubliches Selbstvertrauen besaß. Breitner legte den Ball hin und schoss, ohne lange zu zögern. Dieses Tor war entscheidend für den späteren Sieg und den Gewinn des Weltmeistertitels.
Die gemeinsamen Erinnerungen an die großen Spiele, aber auch an die kleinen Momente wie Trainingseinheiten, Kabinenatmosphäre, Busfahrten und gemeinsame Reisen, verbinden die Spieler der damaligen Mannschaft bis heute. Breitner war auch abseits des Platzes eine auffällige Persönlichkeit, mit langen Haaren, Bart und klaren politischen Ansichten. Er tat, was er für richtig hielt, und verbog sich nie, was ihn bis heute polarisieren lässt. Maier schätzt an ihm, dass er sich treu geblieben ist und immer seine Meinung gesagt hat, auch wenn diese unbequem war.


Ein außergewöhnlicher Fußballer und Mensch
Maier bemängelt, dass bei Diskussionen über Paul Breitner oft dessen äußere Erscheinung, seine Sprüche oder politischen Ansichten im Vordergrund stehen, dabei werde vergessen, welch außergewöhnlicher Fußballer er war. Breitner habe das Spiel verstanden und einen herausragenden linken Fuß besessen. Er konnte nicht nur hart schießen, sondern wusste auch genau, wann er offensiv agieren und wann er defensiv gebraucht wurde. Sein Selbstbewusstsein, seine Technik und sein Wille ließen schnell erkennen, dass er einen großen Weg vor sich hatte.
Paul Breitner, der im oberbayerischen Kolbermoor geboren wurde, feiert seinen 75. Geburtstag. Er selbst sieht sein Alter pragmatisch und akzeptiert es bewusst. Karl-Heinz Rummenigge, ehemaliger Teamkollege und Teil des Sturm-Duos „Breitnigge“, beschrieb Breitner als authentisch, einen Exoten und „ein bisschen verrückt“, aber immer interessant. Breitner eckte immer wieder an, sei es durch das berühmte Foto mit der Mao-Bibel, seine kurze Zeit als Bundestrainer oder seine Zeitungskolumnen.
Auf dem Platz war Breitner unverwechselbar, sowohl durch sein Aussehen mit hochgekrempelten Ärmeln, heruntergezogenen Stutzen und seiner Afro-Mähne als auch durch seinen Spielstil. Er begann als offensiver Außenverteidiger und entwickelte sich später zu einem selbstbewussten Mittelfeldstrategen, der Köpfchen, Tempo und viel Energie mitbrachte. Seine Karriere wurde maßgeblich durch den Elfmeter im WM-Finale 1974 geprägt, den er zum Ausgleich verwandelte, bevor Gerd Müller den Siegtreffer erzielte.
Breitners meinungsstarke Art führte auch zu einem jahrelangen Streit mit Uli Hoeneß, seinem ehemaligen Zimmerkollegen. Die Versöhnung erfolgte 2021 bei der Trauerfeier von Gerd Müller. Hoeneß betonte, dass ihr Verhältnis nun sehr gut sei und sie viele gemeinsame Erfolge mit dem FC Bayern und der Nationalmannschaft verbinden.
Die Titelsammlung von Paul Breitner ist beeindruckend: Europameister 1972, Weltmeister 1974, fünf deutsche Meisterschaften mit dem FC Bayern, zweimaliger Pokalsieger, Gewinn des Europapokals der Landesmeister und Fußballer des Jahres 1981. Hinzu kommen zwei spanische Meisterschaften und ein Pokalsieg mit Real Madrid. Er gehört zu den fünf Spielern, die in zwei WM-Finals trafen. Trotz all dieser Erfolge und Legenden ist Breitner menschlich geblieben, auch dank seiner Frau Hilde, mit der er seit fast 20 Jahren jeden Montag bei der Münchner Tafel mithilft.
Sepp Maier wünscht seinem alten Weggefährten zum 75. Geburtstag vor allem Gesundheit und dass er seinen Dickkopf behält, da dieser zu ihm gehöre. Er schätzt an Breitner dessen Loyalität und dass er sich selbst treu geblieben ist. Maier würde ihm heute sagen: „Paul, schön, dass es dich gibt.“
Source: sport1.de